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dieser Beitrag will nicht so, wie ich will… aber vielleicht helfen diese Textzeilen und beide Bilder erscheinen…

Besser „K“-Brot als „kan“ Brot

Bemalte Wandteller rufen meine Kindheit zurück. Unser Haus war Teil des breiten Straßenzuges, der das Dorf in ein Kleinod verwandelt. Der Malefizschenk, ein ehrgeiziger Graf, hatte ihn im klassischen Mansardenstil geplant. Als Vorbild für die Kirche diente das Pantheon zu Rom. Bei den Gaunern im Land war der Graf gefürchtet. Er fing sie ein und zwang sie dann, seinen Traum zu verwirklichen. Auf dem kleinen Berg, jetzt mitten im Dorf, stand früher der Galgen. Die Straße mündete in eine lange Kastanienallee, gepflanzt zu Ehren von Marie-Antoinette. Maikäfer sammelten wir unter den uralten Bäumen und steckten sie in Streichholzschachteln.

Das Haus hatte meterdicke Mauern. Eine kunstvoll verzierte Tür aus Eiche führte in eine andere Welt. Dielen knarrten bei jedem Schritt, Urgroßvater hatte die Möbel geschnitzt. In der guten Stube stand der Kachelofen aus grün glasiertem Guss. Meine Hände tasteten Ornamente, aus seinen Türen drang Bratäpfelduft. Er war der einzige Ofen im Haus. Eisblumen blühten am Schlafzimmerfenster. Die zarten Blüten liebte ich, folgte mit dem Finger ihren Konturen. Manchmal hauchte ich Löcher ins Eis und sah zu, wie sie sich wieder füllten.

Herzstück der Küche war der große Herd. Im offenen Feuer hing die Pfanne und brutzelte manch köstliches Gericht. Wasser brodelte seitlich im Schiff, im Backofen trockneten Birnen und Pflaumen für das Früchtebrot zur Weihnachtszeit. Nur selten wagte ich mich auf den Speicher. Zwei Stockwerke hoch verbarg er Schätze aus längst vergangener Zeit. Links in der Ecke gurrten Tauben in einem Holzverschlag. Sonntags, nach dem Tischgebet, aßen wir sie manchmal aus der Suppenterrine mit Löwenköpfen.

Der Teller hing über dem Küchentisch, unter einem kleinen Kreuz. Lange bevor ich lesen konnte, zog er mich in seinen Bann. In blau-rot gehalten zeigte er eine Frau, die mit großem Messer ein Brot aufschnitt. Später entzifferte ich die verschnörkelten Lettern und versuchte ihren Sinn zu enträtseln. „K steht für Krieg“, erklärte Großmutter, „ die Menschen hatten Hunger, da schmeckte selbst dieses Brot“. Sie sah mich an und sagte dann noch: „ Danke dem Herrgott, dass du den Hunger nicht kennst.“

Jetzt steht das Haus verwaist. Wir konnten uns nehmen von all den Schätzen, was unser Herz begehrt. Noch einmal betrachtete ich den vertrauten Teller. Ich spürte Schmerz und ließ ihn stehen.

Stühle, die Urgroßvater schnitzte: